Zwischen Mitleid und Bewunderung
„Ach, du musst auch mal am Wochenende arbeiten und an Feiertagen, das tut mir aber leid, das wusste ich gar nicht.“ Ins Schleudern und Schlingern komme ich durch den oft mitleidigen Ton, der mitschwingt. Dann wieder Bewunderung, Hochachtung: „Davor ziehe ich den Hut“ oder „Die Stütze der Gesellschaft“, und zum Schluss: „Das könnte ich nicht!“
Meinerseits schwingt dann eine latente Verachtung im Raum. Es ist immer wieder verblüffend, wie wenig Menschen über den Pflegeberuf wissen, insbesondere über die häusliche Pflege. Diese Menschen bringen mich regelmäßig in Erklärungsnot. Ich muss mich nicht erklären, aber ich will aufklären, weil es mich ärgert. Es ärgert mich, wie wenig Menschen sich Gedanken über diese essentielle Arbeit machen. Schnell höre ich Scham und Angst in den Antworten. Gedankenblasen ziehen vorüber: Hoffentlich ist das Thema bald beendet. Nein, ich gehe dann ins Detail.
Ein Blick hinter die Türen
Ich besuche Klienten in Wohnungen, die sich in zweifelhaften, verzweifelten Zuständen befinden, und es ist traurig zu sehen, dass all dies bereits vor Jahren begonnen hat. Jeder Mensch wird alt und braucht vielleicht eines Tages eine Person, die täglich kommt. Weil der Partner oder die Partnerin gestorben ist. Weil der Haushalt allein nicht mehr zu bewältigen ist. Weil das Duschen allein zu einer Gefahr wird. Und genauso wichtig ist die Ansprache eines Menschen.
Was möglich wäre – und was fehlt
Eine Zeit lang konnte ich zusätzlich mit Klienten im häuslichen Bereich mit Methoden der Maltherapie arbeiten. Das ist zeitlich und finanziell nicht mehr möglich. Wieder eine Erklärungsnot …